Update meiner Plattenbewertungen 2007

Freitag, Juli 13, 2007 Parklife 15 Kommentare

Wieder sind in den letzten Wochen einige neue Platten über meinen Schreibtisch gewandert. Hier meine Meinungen:

Shout Out Louds «Our ill wills» - Wie ich schon vor einigen Wochen schrieb, ist dies ein ausgesprochen unterhaltsames Album, Cure light, mit viel Spielfreude. Die Band hat damit einen echten Schritt nach vorne gemacht! 7.5/10
Cats on Fire «The province complains» - Herrlich, diese Finnen. Ein wunderbares Album, das irgendwo in der Schnittmenge von Morrissey und den Lucksmiths liegt und eine ganze Reihe von zeitlosen und flotten Indiehymnen enthält. 6.5-7/10
The National «Boxer» - Ein Grower-Album, eindeutig. Eindringliche und dennoch unaufdringliche Musik, die einen warm umfängt und sich keine Aussetzer erlaubt. 6.5/10
The Exploding Boy «The Exploding Boy» - Dieses Album der schwedischen Wavepopper habe ich mit großer Spannung erwartet, denn «Cold things start to burn» war einer DER Top-Hits des Jahres 2006. Leider hält die CD dieses Niveau nicht durch - die neuen Songs sind zumeist eher unaufregend, so dass ein etwas durchwachsener, wenngleich unter dem Strich eindeutig positiver Eindruck entsteht. 6/10
Editors «An end has a start» / Interpol «Our love to admire» - Der Grund, wieso ich diese beiden Alben in einem Abwasch würdige, ist, dass sie nicht nur ähnliche Klangwelten & Zielgruppen bedienen, sondern zudem erstaunlich ähnlich aufgebaut sind. Die CDs beginnen jeweils mit den beiden besten Songs, dann lässt das Niveau nach und stabilisiert sich auf ordentlicher Gitarrenwave-Qualität, um dann am Ende drastisch abzufallen (bei den Editors ist das letzte Lied schrecklich, bei Interpol die letzten beiden). Die Alben finde ich ganz gut, verglichen mit der hohen Erwartungshaltung der Öffentlichkeit allerdings sind sie dann doch eher so lala. 5.5-6/10

White Stripes «Icky thumb» - Neulich in der Villa von Jack White. Das Telefon klingelt, er schlurft heran und hebt den Hörer ab.
"Hi Jack, hier ist Joe. Dein Manager."
"Hmmja...?"
"Ich wollte nur mal hören, wie weit Ihr so seid."
"Äh, womit noch mal...?"
"Na, mit Eurem neuen Album. Das soll doch nächste Woche abgeliefert werden. Ihr HABT doch schon was aufgenommen?"
"Klar, klar, läuft. Ich ruf dann wieder an."
Auflegen, hektisches Kramen in Papierstapeln.
"He, Meg, komm schnell her, wir müssen ein neues Album aufnehmen!"
"Och nöö, muss das sein, ich will in zwei Stunden zum Frisör..."
"Zwei Stunden reichen doch locker, das Album muss ja nicht länger als 50 Minuten werden. Ich hab unser Gespräch schon mal als ersten Teil für einen Song mitaufgezeichnet."
"Du hast immer so putzige Ideen. Naja, ich hab zwar keinen Bock, aber dann spielen wir jetzt halt mal schnell irgendwas - Melodien brauchen wir ja diesmal auch nicht, oder?"
"Haha, ach iwo, Melodien sind doch ein überholtes bourgeoises Konzept... die Leute kaufen das Album eh, völlig egal, was wir da drauf machen."
Das auf Grund dieser Dialoge entstandene Album ist mittlerweile auf dem Markt. Und bekommt von mir -1/10. Denn die 0/10 hatte ich ja etwas leichtfertig schon Björk verpasst, und für den kotzüblen Track «Icky thumb» muss ich weitere Punkte abziehen.

15 Kommentare:

Ingmar hat gesagt…

...und positiv formuliert heisst es bei den Editors/Interpol aber auch: Die Alben sind durchgängig gut auf hohem Niveau, teilweise richtig klasse, nur die jeweils letzten Stücke leider nicht. Wie immer bei dieser Art von Musik genügt kein einmaliges flüchtiges reinhören. Bei den Editors habe ich nach jedem Durchhören einen neuen Favoriten. Derzeit empfehle ich "Spiders".
Klar, Interpols Werk endet wirklich gruselig, aber das erste Stück "Pioneer to the falls" ist ein Hammer! Dafür hat sich der Kauf gelohnt, der Rest war mir schon fast egal. Wobei "The Scale", "Pace to the trick" und das "Heinrich Maneuver" auch ihre Qualitäten haben.
Also kontere ich insgesamt mit einer 8 für die Editors und einer 7 für Interpol - und übrigens beide Alben besser, als das in meinen Augen/Ohren eher dröge Werk der "Shout out louds" (6,5).
Gut das Geschmack verschieden ist, gell? ;-)
Viele Grüsse

Daniel hat gesagt…

ich höre grad die interpol und bin sehr sehr enttäuscht so far...

einzig "Pace is the trick" reißts bisher raus ...schade ...vielleicht ein "grower" (ich hasse dieses wort...lasst uns mal nen terminus suchen der besser klingt, aber das gleiche meint)

Parklife hat gesagt…

Ich habe weder bei den Editors noch bei Interpol "einmalig flüchtig reingehört", sondern die Scheiben mehrfach rotieren lassen - sie wurden in meinen Ohren eher noch etwas schwächer... Aber wie gesagt, die ersten beiden Songs auf jedem der beiden Alben sind klasse, da gibt's ja nüscht. :-) Nur wenn man DEN Hype bedenkt, der vor allem Interpol grad umgibt, konnte man schon etwas mehr erwarten...

Ingmar hat gesagt…

Hey P.! Das mit dem "flüchtig reinhören" wollte ich gerade Dir natürlich nicht unterstellen - sorry wenn es so ankam.
Hmmm von einem Interpol-Hype bekomme ich gar nichts mit - ist das so?
Ich fand Interpols Auftritt auf dem Hurricane sehr schön, aber auch nicht gerade hypeauslösend oder spektakulär. Trotzdem hat mich deren Sound dort, besonders eben das "pioneer to the falls", so angefixt.
Wer auch da war wird sich an die Werbetrailer in den Pausen erinnern...
Aber um Dir Recht zu geben: So gut wie "Antics" finde ich das neue Album auch nicht, habe es aber auch gar nicht erst erwartet.

Parklife hat gesagt…

Naja, ich kann mir schon vorstellen, dass Interpol live besser rüberkommen als auf CD - ich fand die Editors auch live immer interessanter als auf Platte...

Interpol-Hype deshalb, weil sie hoch in den deutschen Charts stehen (beie Amazon in den Top 10!) und die Scheibe überall sehr gut weg kommt, wobei ich vermute, dass das Album deutlich weniger Punkte bekommen hätte, wenn es eine unbekannte Nachwuchsband gewesen wäre, die das aufgenommen hat (wie bspw. Cut City, deren Album ja mal als Fake-interpol durchs Netz geisterte, das ich aber auch tatsächlich fast besser als das Original finde...)

Dan hat gesagt…

Nun ja, ich hab ja generell was gegen diese "Anti-Charts"-Attitüde und muß deswegen sagen: Ich sehe auch keinen Hype um Interpol. Man kann schon sagen, daß es definitiv eine der erfolgreicheren Indie-Bands ist, aber das kann doch auch Vorteile haben. Wenn "Hype-Bands" wie Interpol nämlich im Endeffekt dafür sorgen, daß Klein Lisa in Seelow, Brandenburg nämlich mitbekommt, daß es definitiv mehr Musik gibt, als das was dir das MTViva-Konglomerat so präsentiert, dann finde ich haben solche Bands definitiv auch Respekt verdient auch wenn sie eben nicht mehr so die Geheimtipps für Musikbegeisterte sind.

Das ganze macht die Platte jetzt auch nicht besser (obwohl nach mehrmaligen Hören ist sie auch nicht ganz so schlimm wie beim ersten Durchlauf), aber wie gesagt.... ich finde es doof wegen ner Top100-PLatzierung von einem "Hype" zu sprechen.

Aber das ist nur meine Meinung. ;)

Parklife hat gesagt…

Das mit dem Hype bezog sich auch vorrangig auf die doch sehr positiven Kritiken in der Medienlandschaft (soweit ich das mitbekommen habe). Aber stimmt schon, lieber sollen alle Leute Interpol hören als bspw. Wolle Petry. :-) Oder Arctic Monkeys...

Dave hat gesagt…

hi.

die editors waren eigentlich meine lieblingsband von den ganzen 'neuen' bands der letzten zwei jahre. aber das neue album löst bei mir ambivalente gefühle aus. es ist einfach zu eingängig, schon nach dem ersten hören. und jetzt finde ich es schon nervig. tom smiths stimme klingt auch irgendwie sakraler als auf der ersten platte. und den ersten song (smokers...) finde ich auch nicht den besten.... dann eher bones, den sie ja schon lange live gespielt hatten.

interessanterweise fand ich interpol nie so toll wie die editors, aber momentan finde ich interpol vielleicht sogar einen tick spannender. das neue interpol-album mag nicht so gut wie antics oder turn on.... sein, aber dadurch, dass es nicht so eingängig und pathetisch wie das neue editors album ist, wirkt es spannender. man muss sich eher in das neue interpol album hineinhören, die neue editors kann auch nebenbei konsumiert werden. auch bei der neuen interpol finde ich das erste lied nicht das beste (obwohl das wirklich jeder sagt).... dann eher wrecking ball, who do you think oder - trotz des eher dämlichen textes - no i in threesome.

und einen hype sehe ich im übrigen auch eher bei den editors.... (waren letzte woche nr. 1 in den englischen charts, ganz london war mit editors-plakaten voll, alle medien in d-land berichten über sie... letztens war sogar in der frankfurter allgemeinen sonntagszeitung ein artikel über das neue editors album).

mal schauen wie es mit den editors weitergeht, aber momentan bin ich ein wenig von derem zweiten album übersättigt (letztens lief sogar im örtlichen media-markt das komplette editors-album !)

Parklife hat gesagt…

Zum "sakralen Klang" der Stimme passt dann ja, dass die Editors in Köln in einer Kirche aufgetreten sind. :-) Den Übersättigungseffekt kann ich sehr gut nachempfinden, ich fürchte auch, dass ich dem Editors-Album am Ende des Jahres noch ein paar Punkte abziehen werde...

E. hat gesagt…

bei cats on fire liege ich derzeit bei satten 4/5! ein wunderbares album!

Parklife hat gesagt…

Naja, ich habe nicht verfolgt, welche Platte - Editors oder Interpol - nun mehr gepusht wird... eins ist aber eindeutig: einige andere Bands, die musikalisch auch in diese Kerbe schlagen und sogar signifikant bessere Alben abgeliefert haben, werden weitgehend ignoriert. Namentlich The Orders (viel knackiger und fetter als E&I) und die Mary Onettes (viel melodischer und melancholischer). Schade...

Ingmar hat gesagt…

Ok, mal angenommen, Bands wie "The Orders" erlangen auch diese Medienaufmerksamkeit, wie Du sie gerade bei den "EdiPols" beobachtest. Würdest Du beim dann folgenden Album nicht dieselben hohen Erwartungen hegen und enttäuscht sein, wenn das Ursprungsniveau nicht erreicht wird?
Das ist doch normal, das immer irgendwelche Bands mehr nach vorne gespült werden als andere. Wenn die Medien/Industrie erstmal einen Trend entdecken, dann springen alle auf den Zug um ja nichts zu verpassen, besonders keine Einnahmen. Ganz besonders krass, wenn ursprünglich tolle Songs durch heavy rotations bei den Radiostationen dir Ohrenkrebs verursachen ("Placebo" ist so ein Beispiel, wie ich finde, zumindest in meiner Wahrnehmung).
Also seien wir doch froh, das The Orders oder Mary Onettes eben noch nicht die Masse bedienen. ;-)

BTW: Ich konnte noch nicht rausfinden, wo ich das Debutalbum der Orders in D legal erwerben kann ?! Kennst Du eine Quelle? Und ich meine jetzt so richtig auf CD, mit Hülle, Booklet und so'n Gedöns?

Parklife hat gesagt…

Hm, ja, das ist eine zwar hypothetische, aber natürlich interessante Überlegung. :-) Und vermutlich hast Du auch Recht, dass entsprechender Hype einem auch solche Bands verleiden würde. Wobei ich sowieso seit einigen Jahren gar kein Radio mehr höre und demnach auch nich zubeschallt werde. Placebo mag ich deshalb immer noch. :-)

Was die Orders angeht - hast Du mal auf der Website geschaut, da werden einige Shops aufgelistet...:
http://www.theorders.net/music/

Anonym hat gesagt…

Hallo Parklife,
jetzt muss ich also doch mal einen Eintag machen betreffend Deiner kleinen Bewertung für White Stripes «Icky thumb»

Musik ist ja immer Geschmackssache wie wir wissen. Lustig ist das ich eigentlich sehr häufig eins zu eins mit Deiner Meinung bin was Bands und Songs anbelangt.Dazu kommt das ich auch jemand bin der nicht unbedingt den ganzen Hyps und sonstigen nachrennt sondern eher mal auf der Suche nach noch nicht so bekannten Bands bin.

Was Du allerdings zu "Icky" ablässt finde ich nicht mal mehr subjektiv sondern einfach nur intollerant. Natürlich muss man die Stripes nicht mögen. Aber was spricht dagegen das er eben so ein begnadeter Musiker ist und nicht wie viele andere Bands 1 Jahr für ein Album braucht. Dazu sollte man sich vielleicht mal überlegen welche Art von Musik er denn macht. Die ist ja häufig doch am Blues angelegt(seine großen Vorbilder sind auch Blueser wie Robert Johnson und Leadbelly).Deshalb gibt es eben auch nicht so viele Melodien. Das Ergebnis ist halt eine meistens hochphonige, seltsam klaustrophobische Musik, die den Anspruch erheben könnte, eine oder sogar die zeitgenössische Form des Blues darzustellen und in die alles eingeht, was seit den frühen „Led Zeppelin“, „MC 5“, „ZZ Top“, „Free“, „Fleetwood Mac“ bekannt, beliebt und begehrt ist.

Nur dann 1/10 zu geben heisst die ganze Platte ist Mist. Und da kann ich Dir eben nicht zustimmen.

Ein großer Stripes Fan
Christian

PS: Deinen Blogg finde ich ansonsten von der Musik her einen der besten im Netz.

Parklife hat gesagt…

Eins muss ich richtigstellen - ich habe dem WS-Album nicht etwa 1/10 sondern -1/10 gegeben, also eine negative Wertung, was eigentlich ja gar nicht geht. :-) Ich habe mich jedenfalls seit langem nicht beim Hören eines Albums so dermaßen gelangweilt und gleichzeitig auch so genervt gefühlt wie hier... Einige der Lieder finde ich sogar vollkommen unhörbar... Und das Album klingt für mich halt wie eben mal zwischen Tür & Angel hingeklatscht. Led Zeppelin hasse ich übrigens auch wie die Pest... ;-)

Ansonsten danke fürs Kompliment für den Blog, ich werde mich bemühen, auch weiterhin schöne Musik ausfindig zu machen. :-)