Frankie Rose, RAC


Frankie Rose «Dyson Sphere» – ich habe graed mal geschaut – es ist schon fünf Jahre her, dass ich die amerikanische Sängerin hier im Blog vorgestellt habe. Wird also mal wieder Zeit! Zumal sie eine sehr gelungene neue Single am Start hat, die perfekt in den Abspann der neuen Twin Peaks-Folgen passen würde (dort darf ja am Ende eine Band einen Song darbieten). DreamPop, wie er sein soll. Das neue Album «Cage Tropical» ist gerade auf Slumberland Records erschienen.



RAC «Heartbreak Summer (feat. K.Flay)» – RAC aus Portugal ist vor allem für seine Remixe bekannt, bringt aber auch immer wieder eigene Musik (mit Gastsänger/-innen) heraus. Wie diesen schönen Song vom aktuellen Album «EGO».


The Radiation Flowers, Pale Horizons Compilation


The Radiation Flowers «Summer Loop» – dieses Psych Rock-Quintett aus Saskatchewan in Kanada ist bereits seit 2013 aktiv, mir aber bisher nicht über den Weg gelaufen. Doch mit dem neuen 7 Track-Album «Summer Loop», das gerade noch rechtzeitig zum Sommer herausgekommen ist, hat sich das glücklicherweise geändert. Wenn man gerne etwas erdigere psychedelische Musik hören mag, die nicht zu sehr in Richtung Shoegazegewaber geht, sind The Radiation Flowers ein guter Tipp.



Pale Horizons (Compilation) – dass ich Labelcompilationen in meinem Blog vorstelle, gibt es ja nicht so häufig, aber heute will ich mal eine Ausnahme machen. Denn das Kölner Label Reptile Music hat mit Pale Horizons einen wirklich ausgesprochen gelungenen Querschnitt des eigenen Repertoires herausgebracht, und dies zu einem unschlagbaren Preis von 1 €. Wer also auf Post-Punk und Artverwandtes steht, sollte hier mal ein bis zwei Ohren riskieren. Darauf zu hören sind Bands wie Box and the Twins, Excape With Romeo, Holygram, Dead Leaf Echo und sechs weitere.

Robin Foster, Ash Code


Robin Foster «The hardest party» – schon vor vielen Jahren, als es noch das gute alte Myspace gab, lief mir der französische Gitarrist Robin Foster über den Weg. Seine überwiegend instrumentalen Songs werden zwar manchmal als „Post Rock“ bezeichnet, aber es geht bei ihm viel melodischer zu, und auf seinem neuen Album «Empyrean» dürfen sogar Gastsängerinnen für eine zusätzliche Facette in seiner Musik sorgen. Eine ausgesprochen unterhaltsame Platte, wie ich finde.



Ash Code «Icy cold» – richtig finster geht es hingegen bei den Songs der italienischen Band Ash Code zu – 80er Gothic-Style ist auch das Video zur aktuellen Single.

DWNTWN, Malmø


DWNTWN «Bloodshot eyes» – wenn ich mich recht entsinne, hatte ich Euch dieses Trio aus Los Angeles noch nicht vorgestellt, oder? Jedenfalls spielen die drei eine sehr angenehme Mischung aus (Indie-)Pop und Gitarrenmusik, und die neue Single von ihrem soeben erschienenen Debütalbum «Racing time» sticht besonders hervor. Auch das Video ist sehr hübsch.



Malmø «Dawn» – auch wenn der Name zunächst etwas anderes vermuten lässt, aber hinter Malmø steckt eine dänische Sängerin, nämlich Maria Malmø aus Aarhus. Ihr Song ist wunderbar melancholisch und atmosphärisch und stammt vom neuen Album «We come from the stars».


Oddfellow’s Casino, Garbage


Oddfellow’s Casino «Oh, Sealand» – mit atmosphärischer und epischer Indiefolkrock-Musik besticht das neue Album des Projekts des Briten David Bramwell. Wer melancholische Klänge mag, die sich auch durchaus ihre Zeit nehmen, um sich voll zu entfalten, sollte hier unbedingt ein Ohr drauf werfen, denn «Oh, Sealand» ist wirklich ausgesprochen gelungen und gehört für mich zu den erfreulichsten Erscheinungen im Musikjahr 2017.



Garbage «No horses» – ja, auch nach über 20 Jahren spielen die Mannen um Sängerin Shirley Manson noch krachige Rockmusik, die diesmal richtig schön düster daher kommt. Alle Einnahmen aus dieser Benfiz-Single gehen als Spende ans Rote Kreuz.


Champs, Trash


Champs «The garden is overgrown» – klar, sich selbst Champs zu nennen ist schon relativ mutig. Tatsächlich aber hat das Duo aus dem UK schon vor einiger Zeit mit ihrem Song «Spirit is broken» bewiesen, dass sie ganz oben angreifen können. Die neue Single ist wiederum ein bestens schmachtiger moderner BritPopper mit einer gewissen Portion Psychedelik.



TRASH «81» – von der Chuzpe der Namensgebung am anderen Ende der Skala angesiedelt ist dieses Quartett aus Chesterfield. Musikalisch trennt sie aber gar nicht mal so viel von Champs – ein ausgesprochen gelungener Indiegitarrensong, wie ich finde. Die Debüt-EP kommt im August.

Public Memory, Tusks


Public Memory «Veil of Counsel EP» – dieses Ein-Mann-Projekt von Rober Toher aus Brooklyn, New York, legt mit seiner neuen 3-Track-EP für mich eines der Highlights des bisherigen Musikjahrs vor – dunkle, etwas an Trip-Hop erinnernde Elektronikmusik (die vom Künstler selbst als Coldwave, Trap und Krautrock einegstuft wird), deren einziges Manko darin liegt, dass das ganze Vergnügen nach 15 Minuten schon vorüber ist.



Tusks «Dissolve» – ebenfalls sehr atmosphärisch und sich dabei langsam aufbauend ist die neue Single der Londoner Sängerin Tusks. Der Song ist Vorbote des am 10. Oktober erscheinenden Debütalbums.

Lana Del Rey – Lust For Life


Regelmäßigen Lesern meines Blogs erzähle ich nichts Neues, wenn ich sage, dass Lana Del Rey mich seit diversen Jahren – seit 2011, um genau zu sein – in ihren Bann gezogen hat und seitdem auch zu meiner absoluten Lieblingskünstlerin geworden ist. Ein Rang, den sie bislang mit jedem ihrer nachfolgenden Alben weiter untermauern konnte. Aber wie das so ist, wenn man ganz oben steht – die Fallhöhe ist gewaltig, und so sehe ich einer neuen LDR-Veröffentlichung stets mit einer Mischung aus Vorfreude und Anspannung entgegen.

Nicht anders ging es mir mit «Lust For Life», dem mittlerweile 6. Album der Wahlkalifornierin (wenn man das Indie-Debüt «Lana Del Ray a.k.a. Lizzy Grant» von 2008/2010 und «Paradise» mitzählt). Im Vorfeld gab es viele Informationshappen, mit «Love» eine tolle erste Single und ein retrofuturistisches Space-Video, einen originellen „witchy“ Albumtrailer, diverse interessante Interviews, ein ganz besonders durchgeknalltes Fotoshooting mit David LaChapelle – und dann auch die Info, dass es diverse Gastauftritte geben würde, darunter von A$AP Rocky und The Weeknd, und dass die Grundausrichtung optimistischer, weniger düster und depressiv sei.

Das ließ mich ein wenig befürchten, dass das Werk vielleicht zu kommerziell oder zu poppig werden würde. Doch am Ende der 72 Minuten Spielzeit des 16-Track-Albums konnte ich wieder beruhigt sein, denn Lana hat mit LFL ihr Niveau weitgehend gehalten. Wie schon auf dem Vorgänger «Honeymoon» saß sie mit an den Reglern, und die Produktion, der Sound, die Atmosphäre sind diesmal erneut herausragend – und verstärken noch die traumartige Gesamtstimmung der Musik, die auch bereits auf HM stark in Richtung DreamPop ging. Lanas Stimme schwebt über allem, ist stärker und vielseitiger denn je, und so nimmt sie den Hörer mit auf eine Reise voller emotionaler Höhen und Tiefen.

Klar, wer ihre Stimme nicht mag oder mit ihrer teils betont langsamen, schleppenden, dunklen, melancholischen Musik und ihren mit amerikanischen Archetypen spielenden Texten nichts anfangen kann, wird auch mit diesem Album nicht warm werden. Wer hingegen bereit ist, sich auf ihre ganz spezielle Welt einzulassen, findet hier meines Erachtens einige von Lanas besten Momenten ihrer an Highlights nicht gerade armen Karriere.

Das Album beginnt mit der bereits bekannten Single «Love», und es gibt wohl kaum eine bessere Art, ein Album zu starten – ein spartanischer, gezupfter Bass, dann baut sich langsam die gesamte Atmosphäre auf, und Lana gibt hier einen ersten Hinweis auf das, was noch folgen wird: Nicht nur, wie meist bei ihr, eine persönliche Introspektion, sondern auch ein Blick auf gesellschaftliche Themen.

Als nächstes folgt der Titeltrack mit The Weeknd, mit dem sie auch seit vielen Jahren befreundet ist. Für mich ist das eines der schwächeren Lieder, das zwar teilweise sehr stimmungsvolle „Wall of sound“-Elemente hat, aber die Stimme von The Weeknd und der Refrain sind für mich eher ein Minuspunkt.

Entschädigt wird der Hörer dann aber sogleich mit meinem persönlichen Highlight – «13 Beaches», einem ihrer vielleicht tollsten Lieder überhaupt. Zuerst dezente Streicher, dann ein verzerrtes Sample aus dem Horrorfilm «Carnival of Souls», und anschließen ein an Intensität immer weiter zunehmendes melodisches Feuerwerk. Gleichzeitig traurig wie auch unterschwellig zornig.

Weiter geht es mit «Cherry» (das durch die eingestreuten „bitch!“- und „fuck!“-Ausrufe besticht ;-) und «White mustang» (dem kürzesten Track auf dem Album), mit denen wir mitten im TripHop/HipHop-Bereich des Albums angelangt sind. Die beiden Songs mit A$AP Rocky bieten stark Beatlastiges und gehen mit «In My Feelings» in eine Abrechnung mit Lanas „Loser“-Liebhabern über.

Als Bindeglied zwischen dieser ersten, modernen Albumhälfte und der „klassischen“, folkigeren, Flower-Power-haften zweiten dient dann «Coachella – Woodstock in my mind», denn hier kommen der Rückblick auf Vergangenes und der Ausblick auf zukünftige Entwicklungen zusammen. Das Lied wirkt, für sich allein genommen, evtl. etwas blass und hingeschludert, aber im Rahmen des Narrativs des Albums ist es letztlich essentiell. Überhaupt kann man LFL durchaus als Konzeptalbum bezeichnen, zumal in einzelnen Liedern immer mal wieder Textzeilen anderer Songs aufgegriffen und fortgeführt werden.

Denn tatsächlich nimmt Lana (wie schon im Albumtrailer) auch Stellung zu der politischen Entwicklung weltweit und insbesondere in den U.S.A. seit Trump dort an der Macht ist. In «God Bless America – And all the beautiful women in it» hören wir im Refrain Schüsse, und «When the world was at war we kept dancing» fragt sie „Is it the end of an era? Is it the end of America?“. Musikalisch sind beide Lieder klasse und ersteres sogar fast schon flott.

Auch das Duett mit Stevie Nicks von Fleetwood Mac – «Beautiful People Beautiful Problems» (ein schönes Beispiel für Lanas augenzwinkernden Humor, der sich auch immer wieder auf ihren Alben findet) – knüpft nahtlos daran an, wird aber soundmäßig spürbar leichter und lockerer und setzt die starke zweite Häfte des Albums fort. Die Kollaboration mit Sean Ono Lennon ist der vielleicht entspanntest klingende Moment der ganzen Scheibe – zu Beatles-esken Gitarrenakkorden singen die beiden mit ihren erstaunlich gut harmonierenden Stimmen. Man hört allerdings bei diesen beiden Songs, dass es keine „richtigen“ Lana-Lieder sind, weshalb für mich hier ein bisschen die emotionale Tiefe fehlt.

Dies leitet dann über zum großen Finale – wohl dem Künstler, der ein Album mit drei solch epischen Songs abschließen kann! «Heroin» dürfte eines der textlich düstersten Lana-Lieder überhaupt sein („Something 'bout this weather / Made these kids go crazy / It's hot / Even for February / Something 'bout this sun / Has made these kids get scary / Oh, writing in blood on my walls and shit / Like Oh, oh my god / Tripping off from the walls into the darks and shit“).

In «Change», in dem sie nur von Klavier begleitet singt, und dem grandiosen Schlusspunkt «Get free» (das sich melodisch teilweise an Radioheads «Creep» anlehnt) wird es dann etwas hoffnungsvoller, und mit für Lana-Verhältnisse ungewohnt relaxten Möwen- und Meeresgeräuschen endet dieser 72minütige Trip in eine andere Welt.
 
Es ist sicher kein Zufall, dass Lana vor Veröffentlichung des Albums eine handgeschriebene Tracklist auf Twitter veröffentlichte, bei der als Titel zunächst „Lost for Life“ stand und das o durchgestrichen und durch ein u ersetzt wurde, denn entgegen den in manchen Medien zu lesenden Berichten ist «Lust For Life» kein rundum optimistisches oder gar fröhliches Album, aber es lässt vor allem vom Sound her mehr Lichstrahlen ins Dunkel als die beiden Vorgänger. Nachdem sie in der Vergangenheit immer wieder mit Depressionen, Alkohol-Problemen und toxischen Beziehungen zu kämpfen hatte (was sich natürlich auch in ihrer Musik niederschlug), scheint sie nun, was man so von ihr liest, seit 1, 2 Jahren auf einem positiveren Weg zu sein.

Man darf gespannt sein, wohin dieser Weg sie (und uns als Hörer) noch führen wird – sie schreibt jedenfalls bereits am nächsten Album und hat laut eigener Aussage an die 700 neue Song- und Textideen auf ihrem Handy...

Hier noch ein paar Pressestimmen:

„She has evolved elements of her once disturbing narrative, and her ardent fanbase will detect clear leaps made since her debut. But, in the current climate of laborious genre-hopping and guest vocals on throwaway chart tracks, Del Rey has remained a mystery. She is consistent in her aesthetic, adding zeitgeisty elements to her sound without being dictated by them. And for that reason she exists in a lonesome, luxurious league of her own.“ (The Guardian)

„‘Lust For Life’ is an accomplished piece of art, an antidote to the banal tunes permeating the charts and one of the best albums released this year so far.“ (GQ)

Und ich empfehle diesen gelungenen Artikel + Interview von Pitchfork:
«Life, Liberty and the pursuit of happiness – a conversation with Lana Del Rey»

Sowie dieses Interview mit Rick Nowels, in dem er aus dem Nähkästchen plaudert und erzählt, wie der Songwriting- und Aufnahmeprozess bei Lana so vor sich geht:

https://genius.com/a/songwriter-producer-rick-nowels-explains-how-lana-del-rey-s-lust-for-life-came-together


Ebenfalls gelungen die Albumkritik von Pitchfork (die eine 7.7 geben):
http://pitchfork.com/reviews/albums/lana-del-rey-lust-for-life/amp/
Since the drastically superior Paradise Edition reissue of Born to Die, Del Rey has neither swayed nor settled. Instead, doubling down on her palette of inky blues and blacks, the singer-songwriter has delivered a trio of dark, dense, radio-agnostic albums that stand wholly apart from any of her pop music peers.