Lana Del Rey live beim Montreux Jazz Festival 2016

Sonntag, Juli 17, 2016 Parklife 0 Kommentare

Wer von Euch öfter zu Konzerten geht, wird das vermutlich kennen – neben vielen okayen und ganz unterhaltsamen Gigs gibt es eine Reihe sehr guter Auftritte, die einem noch länger im Gedächtnis bleiben. Und alle paar Jahre dann gibt es jene magischen Konzerte – Konzerte, die Zeit & Raum für 90+ Minuten außer Kraft setzen und einen regelrecht verzaubern. Logischerweise sind diese rar gesät, und im Laufe meines Lebens konnte ich gerade mal einer Handvoll solcher magischen Momente beiwohnen. (Bspw. Blue Foundation 2008 in Århus, oder Mylène Farmer 2000 in Brüssel.)


Letzten Dienstag, am 13. Juli ab 21:30 Uhr kam ein weiterer hinzu. Denn Lana Del Rey trat beim 50. Montreux Jazz Festival auf und ich hatte das Glück, dabei sein zu können, wie sie mit ihrer Musik und Show einen absolut denkwürdigen Abend hinlegte. Ich wusste von ihrer 2013er Tour, dass sie live super ist, aber sowas hatte ich nicht erwartet und auch nicht für möglich gehalten. Das ganze Konzert war wie ein Rausch, die 90 Minuten vergingen wie im Fluge, und ehe ich’s mich versah, war’s auch schon vorbei. Lana hat diesmal auf die Streicher verzichtet und statt dessen viele Songs so umarrangiert, dass die Gitarre den dominanten Part spielt. Mit dem Effekt, dass der Sound reichlich psychedelisch war, manchmal fast schon Shoegaze, was zur traumartigen Gesamtatmosphäre beitrug. Lieder wie „Freak“ kamen einem Drogentrip nahe, und „Honeymoon“ war großartig sphärisch. Eigentlich finde ich das Lied ja nur so mittel, aber in dieser Version war es einer meiner absoluten Höhepunkte, so sehr erzeugte die Gitarre einen Wall of Sound, der wunderbar mit Lanas Gesang harmonierte. Hätte ich doch mal vorher Drogen genommen… ;-)

Lana selbst war gut gelaunt und allerbestens bei Stimme, was man besonders bei den ruhigeren Songs hörte. Das Highlight war, als sie auf Zuruf aus dem Publikum eine Kurzversion von „Salvatore“ a cappella zum Besten gab. Zum einen hörte man besonders gut, wie schön ihre Stimme ist (sie ist wohl die einzige Künstlerin, von der ich mir auch ein ganzes Konzert so ohne Begleitband anhören würde), zum anderen fand ich es beeindruckend, dass es mucksmäuschenstill war im Publikum - normalerweise hört man bei Konzerten in ruhigeren Passagen ja vor allem das Gesabbel der Nebenleute, aber hier herrschte nach wenigen Sekunden andächtige Stille.


(HBTB ist übrigens absolut nicht repräsentativ für den Gig, da dies der einzige Song ohne Gitarre war.)

Viele Lieder, vor allem die vom ja eigentlich eher poppigen „Born to die“-Album, wurden z.T. merklich umarrangiert, und haben dadurch auch ein Psychrock-Gewand bekommen. Ein weiteres Highlight war für mich, als Lana allein auf der Bühne mit E-Gitarre mit „Yayo“ einen der ersten Songs, den sie geschrieben hat, spielte und damit an die Anfänge ihres Musikschaffens zurück ging, in denen sie mit ihrer Gitarre durch die Clubs & Kneipen von New York tingelte.

Am Ende gab es dann eine über 10minütige Version von „Off to the races“, von deren Großteil auch eine relativ gute YouTube-Aufnahme existiert - hier kann man sehr schön hören, wie der Gitarrensound beim Konzert oft war. Bzw. war dieser Song auch der rockigste Moment, meistens war es nicht ganz so bratig, nur schön waberig. Der Gitarrist hatte auf jeden Fall ein Shoegazeband-würdiges Effektbrett zu seinen Füßen.


Und auch die Bühnendeko und die Projektionen und Lichteffekte waren stil- und geschmackvoll, passend zu diesem Festival und zu Lanas Musik. Wenn es überhaupt etwas zu kritisieren gab, dann dass sie für meinen Geschmack zu wenige Songs von ihren letzten beiden Alben gespielt hat. Dafür bot sie aber als Schmankerl einen ihrer unveröffentlichten alten Songs – «Serial killer» –, welcher mit seinen HipHop-Beats auch live toll rüberkommt.

Kurz und gut: sensationell. Hoffentlich bringt sie irgendwann mal eine Live-CD oder -DVD raus, damit man sich diese Versionen ihrer Lieder auch außerhalb der Schweiz zu Gemüte führen kann.

EDIT: Michael vom Konzerttagebuch war auch da und ist ebenfalls sehr angetan von Lanas Auftritt – » Link