Der große Coast Is Clear-Jahresrückblick 2013 – Teil 1: Die Alben

Mittwoch, Dezember 25, 2013 Parklife 0 Kommentare

Aha. Das war es nun also, das Musikjahr 2013. Statt wie zuletzt immer darüber zu jammern, dass es für meine Ohren irgendwie gar keine Überalben gegeben hat (was aber leider stimmt), will ich mich auf die positiven Seiten konzentrieren. Zum Beispiel, dass ich schon lange nicht mehr so viele tolle Einzelsongs so intensiv gehört habe. Oder dass es einige ausgesprochen erfreuliche Newcomer gab. Oder ich mit dem Lana Del Rey-Konzert in Hamburg DAS Live-Highlight der letzten Jahre miterleben durfte.

Beginnen will ich meinen traditionellen musikalischen Jahresrückblick ganz traditionell mit meinen Top-Alben 2013. Der Kampf um Platz 1 war lange offen, weil mich eigentlich kein Album so richtig mitreißen konnte – jedes Werk schwächelte mittendrin oder hatte diverse Aussetzer. Aber wat mutt, dat mutt, und so habe ich diejenigen Scheiben, die sich besonders positiv aus dem steten Strom der Neuerscheinungen herausgehoben haben, wie gewohnt in eine durchnummerierte Liste gepackt. (Und, nein, «mbv» habe ich nicht vergessen – ich finde das Album oberdoof!)

01. Seeräuber Jenny – Loomings
Gleich mit meiner Nummer 1 gewinne ich vermutlich den Obskuritätspreis. Seeräuber Jenny ist ein britisches Duo, das mir erstmals 2010 mit «Push it away» auffiel, das dann aber nach ein paar weiteren veröffentlichten Songs seine Auflösung bekannt gab. Was ich nicht wusste: die Band hatte damals bereits ihr Debütalbum aufgenommen, das aber nie das Licht der Öffentlichkeit erblickte. Bis zum Januar 2013, als Seeräuber Jenny es als kostenlosen Download auf ihrer Website anboten. Tolle Musik, mit ein bisschen Folk, ein bisschen Shoegaze, etwas Pop, etwas Indie, und einem wunderbaren Artwork. Highlight: «Push it away»

02. Tocotronic – Wie wir leben wollen
Nicht wirklich überraschend, dass Tocotronic mal wieder ein sehr gutes Album herausgebracht haben. Ich mag die Band ja schon lange, und das wird auch durch WWLW unterstrichen. Man hätte lediglich auf eine Handvoll Songs verzichten dürfen, um die ganze Sache etwas kompakter zu machen. Highlight: «Warte auf mich auf dem Grund des Swimmingpools»

03. Les Incendiaires – Unica
Tja, so kann's kommen, wenn man seine Jahrescharts unsinnigerweise schon Anfang Dezember machen würde – man hätte dieses wunderbare zweite Album der kanadischen Les Incendiaires nicht berücksichtigen können. Der Indochine-Sound der 80er wird hier frisch und flott wiederbelebt, ohne zu retro zu klingen. Toll! Highlight: «Unica»

04. Indochine – Black City Parade
Da hat die Kopie quasi das Original überrundet... Aber auch Indochines neues Werk besticht (endlich) wieder mit einem atmosphärischen Sound und einer Fülle an feinen Liedern (wie bei Toco hätte man vielleicht ein paar davon weglassen können). Das Cover ist besonders schick und für mich das Plattencover des Jahres. Highlight: «Wuppertal» (bzw. «Salomé», wenn man die Deluxe-Edition berücksichtigt – wieso dieses klasse Lied in den Bonusstücken versteckt wurde weiß wohl nur die Band selbst)

05. Chelsea Wolfe – Pain is Beauty
Ich muss zugeben, dass ich von dieser Sängerin aus L.A. und ihrem „Doom-Folk“ bis zu diesem Album noch nie etwas gehört habe. Dafür kann sie mit «Pain is Beauty» gleich richtig bei mir punkten und wurde zum meistgehörten Album 2013. Das Werk klingt wie für einen Soundtrack eines Lynch- oder Horror-Films gemacht, also angenehm düster und beklemmed. Highlight: «Feral love»

06. Chvrches – The Bones of What You Believe
Angesagte Hype-Synthie-Band aus Schottland, die die Erwartungen in Bezug auf ihr Debütalbum durch einige bemerkenswerte Vorabsingles stark nach oben geschraubt hat. Leider kann die CD diese Erwartungen dann nicht ganz erfüllen – es sind viele schöne Songs dabei, aber auf Dauer langweilt mich der etwas sterile Sound dann doch. Deshalb „nur“ Platz 6 – und auch, weil ihr bestes Lied, nämlich «Now is not the time», unverständlicherweise nicht drauf enthalten ist. Highlight: «Gun» (Besonders hervorzuheben sind hier noch die beiden Bonusstücke der Deluxe-Edition: «Strong hand» und «Broken bones», die absolute Popperlen darstellen.)

07. Slut – Alienation
Nach langer Pause sind Slut aus Ingolstadt zurück, und dies mit einem sehr interessanten und ambitionierten Werk, auf dem man die zuletzt schon angedeuteten Radiohead-Referenzen weiter verstärkt und sich generell recht experimentierfreudig zeigt. War wohl leider kommerziell nicht so erfolgreich wie erwartet. Highlight: «Never say never»

08. The Ballet – I Blame Society
Mit «In my head» haben The Ballet aus New York einen DER Indiepopsongs der letzten 10 Jahre geschrieben. An diese Großtat kommen sie zwar auch auf ihrem neuen Album nicht mehr heran, aber nachdem ich mich ein wenig in den verstärkt synthielastigen Sound des neuen Werks eingehört hatte, ist «I Blame Society» peu à peu in meiner Gunst geklettert. Wunderbar entspannte, gerne auch leicht ironische Musik. Highlight: «Turn you»

09. Baden Baden – Coline
Trotz des Namens stammt dieses Trio aus Frankreich und beglückt auf ihrem Debütalbum mit beschwingtem Folk und sympathischen Gitarrenpop (und sogar einigen Shoegazegitarren!). Wenn man mal die zwei Aussetzer in der Mitte der Scheibe ignoriert kann man eigentlich nur alle Daumen nach oben recken und der Band ein langes musikalisches Schaffen wünschen. Highlight: «You’ll see»

10. Girls Names – The New Life
Irgendwie eine recht seltsame Mischung, die die nordirische Band auf ihrem Debütalbum abliefert – New Wave- und Surfgitarren, waberige Synthies, zum Teil nicht gerade fröhlich, einiges sehr an die 1980er Jahre erinnernd. Von dieser Scheibe war ich von Anfang an sehr angetan, und das hat sich bis zum Jahresende nicht geändert. Highlight: «Pittura Infamente»

11. Girls In Hawaii – Everest
Das neue Werk der belgischen Band erweist sich als wahre Fundgrube für atmosphärische Melancholie, die irgendwo zwischen Kashmir und The National anzusiedeln ist. Ich hätte den Jungs so ein gelungenes Werk gar nicht zugetraut, aber diesmal passt einfach alles zusammen. Highlight: «Switzerland»

12. Sad Day For Puppets – Come Closer
Die schwedische Band ist zurück mit ihrem zweiten Album – und schafft es, ihr Debüt fast noch zu übertreffen. Zwar fehlen wirklich herausragende Einzeltracks, dafür sind nahezu alle Lieder einfach nur gut. Die Gitarren treten ein bisschen in den Hintergrund, aber schöne Melodien gibt es en masse zu bewundern. Highlight: schwer zu sagen, vielleicht «Sugar»

13. Weekend – Jinx
Nun muss auch der Lärm mal zu seinem Recht kommen – Weekends Mischung aus Noisepop und Post-Punk weiß auf «Jinx» endlich einmal auf Albumlänge zu überzeugen, nachdem der Vorgänger hauptsächlich dröhnig (bis nervig) war. Highlight: «Oubliette»  

14. Everyday Mistakes – Obscure Lanes
Etwas obskur mutet die Musik des schwedischen Musikers (der auch hinter Cocoanut Groove steckt) wirklich an – Phil Spector-Breitwand-Sound, gepaart mit Surfgitarren, Crooner-Gesang, einer Prise The Mary Onettes und einer höchst abwechslungsreichen Instrumentierung. Das geht zwar nicht bei allen Songs auf dem Album gut, aber bei den meisten schon. Highlight: «Crow»

15. Prag – Premiere
Wie bei Chvrches hat die Band rund um Norah Tschirner mit ihren Singles die Latte sehr hoch gelegt – und schafft es auf Albumlänge nicht ganz, das Niveau zu halten. Dennoch enthält «Premiere» eine Fülle eleganter, irgendwo zwischen Indie und Chanson angesiedelter Lieder, die Spaß machen. Highlight: «Sophie Marceau»

16. Exsonvaldes – Lights
Mit Bands, die sich u.a. beim frühen Indochine-Sound bedienen habe ich es dieses Jahr offenbar. Exsonvaldes beweisen jedoch eine beachtliche stilistische Bandbreite und zeigen, dass Indiepop und Folk und Electronica gut zusammengehen. Highlight: «L’aérotrain»

17. Daughter – If You Leave
Schön ist es geworden, das Debütalbum der britischen 4AD-Band Daughter. Relativ ruhige, sehr atmosphärische Musik, die zwar nicht extrem abwechslungsreich daherkommt, aber perfekt zu langen Winterabenden passt. Highlight: «Amsterdam»
18. Placebo – Loud Like Love
Wenn ich ehrlich sein soll, hatte ich Placebo eigentlich schon abgeschrieben. Zu langweilig war das letzte Album in meinen Ohren, zu sehr hat sich ihre „Masche“ bzw. ihr Sound über die Jahre abgnenutzt. Umso überraschter war ich von ihrer aktuellen Platte, auf der das Trio noch mal zu alter Stärke zurück findet. Highlight: «Too many friends»

19. The National – Trouble Will Find Me
Everybody's Darlings – und auch meine. Zunächst fand ich das neue National-Album etwas arg unspektakulär, aber nachdem ich mir ein wenig Zeit dafür genommen habe, wusste es dann doch zu gefallen. Ein bisschen mehr Pep hätte ich mir dennoch gewünscht. Highlight: «Graceless»

20. Étienne Daho – Les chansons de l’Innocence retrouvée
Dass ich nochmal ein Étienne Daho-Album in meinen Top 20 aufführen würde, hätte ich auch nicht mehr gedacht. Ich mag den französischen Sänger schon seit den 80ern, aber seit vielen Jahren schien mir sein kreatives Schaffen doch zu langweilig geworden zu sein. Auf dem neuen Album jedoch versammelt er ausgesprochen geschmackvoll modern-unmmodisch instrumentierte, orchestral untermalte Songs mit toller Atmosphäre. Highlight: «Un nouveau printemps»

21. Younghusband – Dromes
Okay, die Top 20 ist eigentlich zu Ende, aber dieses ausgesprochen unterhaltsame psychedelisch-krautrockige Album der britischen Band will ich doch wenigstens kurz hervorheben. Sollten Freunde der knarzigen Gitarre unbedingt mal ein Ohr drauf werfen! Highlight: «Reunion message»

Weitere erwähnenswerte Alben:
22. Makthaverskan – Makthaverskan II
23. Arcade Fire – Reflektor
24. Midlake – Antiphon
25. Suede – Bloodsports
26. Emiliana Torrini – Tookah
27. Trentemøller – Lost
28. Black Swan Lane – The Last Time in Your Light
29. Contre Jour – Passion and Fall
30. Fonda – Sell your memories
31. The Capsules – Northern Lights & Southern Skies
32. Mazzy Star – Seasons of your Day
33. The Proctors – Everlasting light
34. Nephew – Hjertestarter
35. The Low Frequency In Stereo – Pop Obskura
36. INVSN – INVSN
37. Buridane – Pas fragile
38. Rigna Folk – Sól
39. Tristen – Caves
40. Vive La Fête – 2013
41. Agnes Obel – Aventine
42. Battleships – To You
43. Decades – Decades
44. The Fauns – Lights
45. Blouse – Imperium
46. Polly Scattergood – Arrows
47. Veronica Falls – Waiting For Something to Happen
48. Automelodi – Surlendemain Acides
49. Dream Boys – Dream Boys
50. Gliss – Langsom Dans
51. David Bowie – The Next Day
52. Club 8 – Above the City

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