Kent in Århus

Sonntag, Februar 24, 2008 Parklife 3 Kommentare

Ja, ich habe es wieder getan - ich bin auch dieses Jahr zu einem Kent-Konzert nach Dänemark gefahren. Und das, obwohl der Kopenhagener Gig im letzten Dezember gar nicht so überzeugend war und insbesondere unter der ungünstigen Songauswahl litt. Doch die Hoffnung, dass Kent ihre Setlist für den neuen Teil ihrer Skandinavientour etwas umstellen würden (wie man es beispielsweise von Indochine kennt), trieb mich und meine Kieler Mitreisenden am Freitag ins heimelige Århus, trotz Sturm und Kälte. 

Das Scandinavian Congress Center, in dem das Konzert stattfand, beeindruckte beim Betreten durch eine sehr luftige und moderne Architektur - bereits das war ein schöner Kontrast zur altehrwürdigen KB Hallen in Kopenhagen. Pünktlich um 21 Uhr betrat dann die Vorband Familjen die Bühne. Auf CD finde ich ihre Musik ja teilweise ganz unterhaltsam, aber "live" war das eine sehr traurige Vorstellung - zwei Männer, einer hinter einem riesigen DJ-Pult, der ab und an ein paar Knöpfchen drückte (die Musik und die alles zudeckenden Bässe kamen offenbar vom Band) und ein "Sänger", der diese Bezeichnung nicht verdiente, krächzte er doch unbeholfen auf der Bühne herum. Dementsprechend reserviert war auch die Reaktion des Publikums, das erst beim letzten Song des erfreulich kurzen Sets (ca. 20 Minuten), dem Hit «Det Snurrar I Min Skalle» etwas auftaute. Man muss eben nicht jedes Album live präsentieren...

Es konnte also nur besser werden. Nach 10 Minuten Umbaupause kamen Kent, frenetisch bejubelt. Alle Befürchtungen, dass sie wieder das gleiche Set wie im Dezember spielen würden, wurden gleich mit den ersten paar Songs vertrieben, denn zu unser aller Freude hatte sich die Band besonnen (der erste Teil der Tour erntete letztes Jahr durchaus etwas Kritik) und spielte Hit auf Hit auf Hit. Unter anderen gab es diesmal auch «Dom andra», «Den döda vinkeln», «Om du var här» (in einer sehr schön spaceig beginnenden Version), «Palace & main» und «Socker» zu bewundern, die die Massen zum Tanzen brachten. Überhaupt sprang die gute Stimmung im Publikum ganz offensichtlich auch auf die  Band über, die diesmal deutlich lockerer als noch im Dezember wirkte. Zudem hatte sich der Soundmischer entschieden, die Gitarren heute mal weiter nach vorne zu drehen, was dem Gesamtklang hörbar zugute kam. Gerade die Songs vom überragenden «Du & Jag Döden»-Meisterwerk (immerhin spielten sie diesmal 4 Lieder dieses Albums!) hatten so noch mehr Tiefe und ließen, in Verbindung mit der wieder geschmackvollen und effektiven Lightshow, durchaus an The Cure oder Depeche Mode denken. Auch «Ingenting», die erste Single vom neuen Album, wurde diesmal mit noch mehr Drive und Atmosphäre dargeboten. Einzelne Höhepunkte herauszugreifen erübrigt sich aber bei diesem überragenden Konzert - natürlich bildeten die epischen «747» und «Mannen i den vita hatten» wieder den mehr als würdigen Schlusspunkt. Kent bleiben eine der besten Bands der Neuzeit, das wurde mit diesem Konzert einmal mehr unterstrichen.

Hier ein Clip aus Linköping («VinterNoll2») von diesem Februar:



Und «Om du var här / Dom Andra» vom Trollhättan-Konzert:

3 Kommentare:

Benedikt hat gesagt…

Waren gerade in Kopenhagen bei den Kents und fanden das Konzert ebenfalls klasse und sehr professionell. Ein klein bißchen mehr Rauhigkeit und Druck täten dem Gesamteindruck allerdings sicherlich gut. Sonst wirds zu poppig...
Gruß vom letzten Pop Song auf Reisen

Anonym hat gesagt…

Die Kent Konzerte im Dezember 2008 waren weltklasse. Vor allem das erste Konzert hatte die beste Setliste der Tour. Auf dieser Tour hatte ich Kent fünfmal gesehen. Keine Ahnung wieso "Parklife" sie hier kritisiert. Noch merkwürdiger die Erfindung, dass Kent für Ihre Herbst / Winter Konzerte Kritik geerntet hätten. Es handelt sich hier nur um Parklife's persönliche Meinung.

Parklife hat gesagt…

Mitnichten. Man schaue mal, was mein Blogkollege Morten (Hits in the Car) zum Kent-Konzert im Dezember geschrieben hat; u.a. auch sein Verweis auf die Konzertkritik einer dänischen Zeitung (die dem Konzert nur 6 oder 6-5/10 gab). Außerdem waren meine Mitreisenden auch nur begrenzt begeistert von der damaligen Songauswahl, von daher ist es keinesfalls eine "Erfindung" oder ausschließlich meine persönlich Meinung. Letztlich ist die Aussage von Herrn Anonym ja auch nur eine persönliche Meinung. ;-) Das Konzert in Århus fand ich (und andere; siehe auch wieder Morten) jedenfalls um Längen besser.